Geschichte Schloss Leitheim

Der Hof Litun (Leiten, heute Leitheim) wurde erstmals 1147 erwähnt, 1185 ist hier eine Kapelle belegt. Bis zum Jahr 1770 wurde an den Donauhängen ertragreicher Weinbau (in Spitzenjahren bis 50.000 Liter Wein) betrieben:

Das Potential der Leitheimer Weinberge, die in den Gründerjahren von Kloster Kaisheim als eine Art 'Außenstelle' betrieben und bewirtschaftet wurden, erkannte erst der 20. Zisterzienser-Abt Leonhard Weinmayr: Nomen est omen: Er sorgte 1427 für die weitläufige Ausdehnung und Kultivierung des Weinanbaus.

1542 wurde der Leitheimer Weinberg mit einer festen Mauer umgeben und ein prächtiges Weingärtnerhaus errichtet, von dem aus man 'bei klarem Himmel die ganze kaiserliche Stadt Augsburg mit dem herrlichsten Prospekt sehen kann'.

Abt Elias Götz ließ die Hofanlage, die während des Dreißigjährigen Kriegs zerstört worden war, zur repräsentativen Sommerresidenz des Klosters Kaisheim ausbauen.

Nach einer Bauzeit von 15 Jahren waren Schloss und Kirche fertiggestellt und damit der Kern der heutigen Anlage 1696 vollendet. Ein eindrucksvoller Bogengang verband den zunächst zweigeschossigen Herrensitz mit der nach dem Ortsheiligen genannten St. Blasius-Kirche. Von 1748 bis 1750 erhielt das quadratische Schlossgebäude ein drittes Geschoss und sein mächtiges Mansardenwalmdach.

Abt Coelestin I. Mermos ließ das Schloss zu einer prächtigen Residenz mit großem Festsaal in Formen des Rokoko ausschmücken. Einer der bedeutendsten Freskenzyklen des süddeutschen Rokoko, gestaltet von Gottfried Bernhard Göz, verdient dabei besondere Erwähnung. Der Zyklus bildet ein einheitliches ikonographisches Konzept: die fünf Sinne, die vier Elemente, die vier Temperamente und die periodischen Zeitzyklen der vier Lebensalter, die vier Jahreszeiten und der Wechsel von Tag und Nacht und Nacht und Tag.

Nach der Säkularisation (1802) brachen für Schloss und Kirche schwere Zeiten an: man überlegte, beide Gebäude abzubrechen. Schließlich veranlasste 1820 König Maximilian I. Joseph von Bayern den Verkauf des Anwesens an seinen Oberstküchenmeister und späteren Obersthofmarschall Friedrich Ludwig Camil Marquis de Montperny. Dieser richtete Wohngemächer im Geschmack des Biedermeiers ein.

Durch Heirat ging Schloss Leitheim 1835 in der Erbfolge an die Freiherren Tucher von Simmelsdorf über. Albrecht Freiherr Tucher von Simmelsdorf begann 1953 mit der konsequenten Sicherung des Schlosses, das in seiner Substanz stark gefährdet war. Er rief 1959 auch die Leitheimer Schlosskonzerte ins Leben. 1983 wurde der Freundeskreis Schloß Leitheim e. V. gegründet.

1997 erfolgte auf Initiative von Bernhard Freiherr Tucher von Simmelsdorf eine weitere umfangreiche Gesamtsicherung der Bausubstanz. 2008 ging das gesamte Areal an die Messerschmitt Stiftung über. Die Familie Tucher von Simmelsdorf zeichnet weiterhin für die jährlich stattfindenden Schlosskonzerte verantwortlich.